Blüte der klassischen türkischen Musik

In jener Zeit begann für die klassische türkische Musik eine große Blüte. Sultan Mehmet IV. holte zahlreiche Musiker an seinen Hof und beauftragte sie mit den Konzerten. Den Dichter und Musiker Hafiz Post ernannte er zum „Meister der Musik“ und dem Musiker Buhurizade Mustafa Itri erfüllte er den Wunsch, Vorsteher der Sklavenhändler zu werden, so dass dieser die Musik fremder Völker kennen lernen konnte. Anfang des 18. Jahrhunderts feierte Sultan Ahmed III. prunkvolle Feste in den Tulpengärten am Bosporus, an denen auch die Bevölkerung teilnehmen durfte und wodurch diese Epoche den Namen Tulpenzeit erhielt. Den Komponisten boten diese öffentlichen Feste eine willkommene Gelegenheit, die Dichtung und Musik der Volkssänger zu studieren und sie in ihre Kompositionen einzubauen.

Größte Entfaltung fand das Musikleben an der Wende zum 18. Jahrhundert unter Sultan Selim III. dieser war wie auch manch andere Sultane selbst als Komponist tätig und pflegte eine enge Verbindung zum Mevlevi-Kloster. Zu den Sängern und Komponisten, die an seinem Hof wirkten, gehören Haci Sadullah Aga, Tanburi Ishak, Tanburi Mustafa Cavus und Hamamizade Ismail Dede, der noch heute als einer der bedeutendsten Meister der türkischen klassischen Musik gilt. Bedeutung wegen seiner Erfindung einer Notenschrift erlangte der armenische Kirchenmusiker Hamparsum Limonciyan. Selim III. förderte mit Dilhayat Kalfa sogar eine Komponistin aus seinem Harem. Er galt als der erste große Reformsultan. Inspiriert von den Ideen der Aufklärung, öffnete er sein Reich für die Einflüsse abendländischer Naturwissenschaft. Seine Reformpolitik provozierte allerdings den Widerstand der alten Eliten, besonders der Janitscharen, die ihn 1807 stürzten und schließlich ermordeten.

Sein Nachfolger Sultan Mahmut II. setzte die Reformpolitik fort. Die Janitscharen wurden nach einem Aufstand 1826 auf seinen Befehl ausgerottet. Damit verschwand auch das Mehterane, das Mahmut II. durch eine nach westlichem Vorbild zusammengesetzte Militärkapelle ersetzen ließ. Zum Aufbau dieser Kapelle berief er im Jahr 1828 Guiseppe Donizetti, den älteren Bruder Gaetano Donizettis, an seinem Hof. Mit Donizetti, der zugleich den Auftrag zur Gründung einer Musikschule erhielt, wurde nun auch die westliche Notenschrift eingeführt. Das führte dazu, dass aus dem 19. Jahrhundert relativ viele Werke überliefert sind.
Zu Beginn des 20. Jh. löste schließlich eine weitgehend europäisierte Musikrichtung die osmanische Musik ab.