Vorstellung
Ismet Alpaslan
Chorleiter
Chor
Konzert
Fasil
Soziale Aktiv.
Unterricht
Foto Album
Osmanische Musik
Gästebuch
Impressum
Links
Medien
Sponsoren
Octave News
 
 
Login
Anmelden

İsmet Alpaslan

Ismet Alpaslan (geb. 1924 im heutigen Thessaloniki; aufgewachsen in Istanbul; absolvent der Musik-Hochschule Istanbul)


Meine lieben Leser,

in diesem Teil unserer Seite möchte ich einige Worte, meinem verstorbenen Lehrer Ismet Alpaslan, einem der genialsten komponisten und musikalischen Meister der Geschichte unserer türkischen klassischen Musik, widmen. Mein Wortschatz und meine Fähigkeit werden wahrscheinlich nur ein tausendstel der Eigenschaften dieses großen Mannes erzählen und erklären können. Um alle Fähigkeiten dieser Person exakt beschreiben zu können, müsste ich ein Dichter sein und einen Wortschatz besitzen, welcher sich aus mehreren Sprachen zusammensetzt.
Darüber hinaus habe ich zuviel Respekt vor den Fähigkeiten dieser genialen Person, welche mir die richtige und die Ihm gebührende Wortwahl erschweren würden.
 

Ich erinnere mich, dass ich in ein großes seelisches Tief fiel, als ich im Jahr 1979 nach Deutschland kam. Vor allem vermisste ich meine geliebten Instrumente der klassischen türkischen Musik und mein musikalisches Umfeld.

In diesen Jahren gab es vielleicht einen "Baglama"-Spieler (türkisches Saitenistrument) in Frankfurt, einen "Kanun"-Spieler (türkisches Saiteninstrument) in München und ein paar Musiker in Berlin.
 
Obwohl ich als Student mit einem geringen Einkommen und unter schwierigen Bedingungen gelebt habe, verbrachte ich den größten Teil meiner Freizeit in einem kleinen Restaurant von Herrn "Hasan bey aus Izmir" in der nähe von Böblingen und gönnte mir täglich die musikalische Vorführung der mittlerweile verstorbenen Künstlerin und Sängerin Frau Süheyla Özen. Ich bat Sie damals, mich zu unterrichten und Sie antwortete wortwörtlich: "Mein Sohn, ich besuche selber noch den Unterricht meines Lehrers in Pforzheim!" und übergab mir die Telefonnummer meines späteren Lehrers.

 
Ich ging sofort los um ihn zu finden. Seine Wohnung glich einem Museum. Ein Klavier im Wohnzimmer, darauf ein Metronom, ein paar "Ud´s" (türkisches Saiteninstrument), "Kanun´s" (türkisches Saiteninstrument) und ein im Laufe der Jahre angesammeltes Archiv des "Tanburi Cemil bey" (berühmter türkischer Komponist und Musikant), welches sogar die handschriftlichen Notizen dieses berühmten Komponisten enthielt.

Ein "Ud" aus Onnik geferigt, 200 gr. leicht, aber das wichtigste von allem.... ein Meister, ein Genie der Musik, welcher mit diesem Instrument die Akustik und den Eindruck eines Orchesters wiedergeben konnte.


Ein unvergesslicher Augenblick war, als er einen "rast"-Abschnitt spielte und gleichzeitig mit nur einem Finger einen "gülnihal" ausgeübt hat. Diejenigen die jemals ein Instrument gespielt haben werden verstehen, was für eine schwierige und nahezu unmögliche Kombination das ist. Nach diesem Augenblick hatte ich bis Dato nicht mehr die Möglichkeit ein weiteres oder auch vergleichbares Beispiel für einen solchen ausserordentlichen musikalischen Einsatz zu erleben.

Im Jahr 1983 kam ein Anruf aus Frankreich. Am anderen Ende der Leitung war der mittlerweile verstorbene Musiker Herr Tanrikorur Cinucen. Unmittelbar nach seinem Sieg bei der Weltmeisterschaft der "Solo"-Musikanten, rief er unseren Lehrer an um seine Dankbarkeit auszudrücken. 


Ich war sein erster Privat-Schüler, obwohl er seit vielen Jahren in Deutschland lebte. Er war unglaublich voll von Liebe und Mitgefühl, Humor und Liebe zu einer Konzession, aber auch kompromisslos gegenüber der Musik. Sein Sohn Mahmut spielte Bassgitare und seine Tochter Sehnaz hörte lieber "ausländische" Pop Musik. Ich denke, dass es diesem genialen Musiker in seiner Seele weh tat, weil er sein Wissen nicht mit seien Kindern teilen konnte.  Vielleicht entwickelte er Gefühle, welche er bei seinen eigenen Kindern nicht erleben durfte
; und ich denke dass er mich aus diesem Grund sehr sehr mochte. Ich war der einzige, der Ihn während unserer musikalischen Engagements und in unserem musikalischen Umfeld, höflich kritisieren durfte.

Ich erinnere mich, dass er meine Teilnahme an einem Wettbewerb in  Frankfurt, aus Angst dass ich versagen könnte, nicht befürwortete. Ich flehte ihn an, dass er mich begleitet und konnte ihn letztenendes überreden mitzukommen.
Ich habe Ihn nicht enttäuscht und den ersten Platz errungen. Ich sah in seinen Augen die zurückhaltende Freude über meinen Sieg.
 
Vor unseren (seltenen) Auftritten ging er immer voraus. Auf unserem Weg zur Bühne, drehte er sich ab und zu um, greifte in seine Tasche und reichte mir einen Bonbon, welcher meine Stimme beruhigen sollte.

Während unserer Proben, verlangte er immer hochkonzentrierte Mitarbeit. Einen 99,5% -igen Erfolg hat er niemals akzeptiert.
Alle Schüler an seiner Seite, wurden mit seinem Wissen gesätigt.
 
Nach jedem Unterricht, bevor ich mich zu meinem Auto begab, wiederholte ich das soeben erlernte unter der Laterne vor seiner Haustür.

Nach dem Verlust seiner sehr geliebten Ehefrau Yurdagül, eine sehr hübsche und junge Dame, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Immer wenn ich zum Unterricht ging erzählte er mir, dass er Abends das Licht ausmacht und bis in die frühen Morgenstunden, weinend und mit blosen Händen, auf seinem "Ud" spielt. 


Es schien so als drehte er dem Leben seinen Rücken zu. Die einzigen, denen er nicht seinen Rücken kehrte, waren seine Schüler und sein Instrument.

Während unseren Konzerten trat ich des öfteren Solo auf. Auf der Bühne begleitete er mich stets mit seinem aus Onnik gefertigten "Ud". Seine anderen Instrumente rührte er nicht mehr an. Es viel mir sehr schwer mit anzusehen, wie dieser prächtige Mann Tag für Tag dahingeschmolzen ist.
Ich kan mich an keinen Solo-Auftritt erinnern, bei welchem ich am Ende nicht geweint habe.

1992, leider viel zu früh, ist er von uns geschieden. Ein großartiger Mann, ein liebevoller Vater und meiner Ansicht nach, ein genialer Musiker und Komponist.

Es klingt vielleicht unglaublich, aber seither vergeht kein Tag an welchem ich nicht an Ihn denke. Meistens liege ich trauernd in meinem Bett und bete für Ihn. Danach fallen mir seine Erlebnisse und Geschichten ein, welche er während seinen Auftritten in Istanbul erlebt hat und tausche meine trauer gegen ein lächeln.
 
Ich hoffe, dass er seinen frieden gefunden hat. Nahezu 13 Jahre seinen Unterricht besuchen zu dürfen, ist ein aussergewöhnliches Ereignis, welches leider nicht jeder Mensch erleben kann. 


Ich bereue, dass ich nicht vor seiner Haustüre geschlafen habe, um noch mehr von seinem Wissen und seinem Leben zu erlernen !!!!!
 

Gott segne Ihn... ..


 

Sahin Öztürk

 
 
 
 


Selma Tetik

 
 

 Name
 E-Mail

:
:
* Newsletter nedir?